Förderziel Klimaneutralität

Inzwischen dürfte jedes Unternehmen wissen, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral werden soll. Aber vielleicht weiß noch nicht jede Firma, dass sie einen Beitrag zur Klimaneutralität leisten kann oder in Zukunft vielleicht sogar leisten muss. Die gute Nachricht: Für diese Anstrengungen gibt es Unterstützung in Form von Zuschüssen von der EU und vom Bund. PNO Consultants hat in diesem Artikel einige der wichtigsten Fördermöglichkeiten zusammengestellt.

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein

Im Juli hat der Bundestag ein neues Klimaschutzgesetz beschlossen. Mit dem novellierten Gesetz wird das deutsche Treibhausgasminderungsziel für das Jahr 2030 auf minus 65% gegenüber 1990 angehoben. Bislang galt ein Minderungsziel von -55%.

Bis 2040 müssen die Treibhausgase um 88% gemindert und bis 2045 Treibhausgasneutralität verbindlich erreicht werden. Auch die Vorgaben zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in den einzelnen Sektoren

  • Energiewirtschaft,
  • Industrie,
  • Gebäude, Verkehr, Landwirtschaft und
  • Abfall

wurden verschärft.

Die deutsche Wirtschaft ist also wieder einmal stark gefordert. Damit die Unternehmen aber nicht überfordert werden, gibt es von der EU und vom Bund mitlerweile zahlreiche Förderprogramme, die auf dem Weg in die CO2-freie Wirtschaft helfen sollen.

Unterschiedliche Dimensionen von Dekarbonisierung und Klimaneutralität

dekarbonisierung durch grünen wasserstoff

Fossile Energieträger ersetzen

Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Energiewende ist die Erzeugung von Energie. Fossile Energieträger wie Erdöl oder Erdgas sollen durch erneuerbare Energieträger ersetzt werden. In Deutschland liegt die Präferenz dabei auf Strom, der durch Windkraft oder Photovoltaik erzeugt wird und neuerdings auf Grünem Wasserstoff.

Im Bereich der Windkraft und Photovoltaik ist in den letzten Jahren schon sehr viel erreicht worden. Das lässt sich an den zahlreichen On- und Offshore-Windparks und Solarfarmen ablesen. Die Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Grünem Wasserstoff steckt dagegen noch in den Kinderschuhen. Das will die Bundesregierung mit ihrer Nationalen Wasserstoffstrategie ändern.

Ziele der Nationalen Wasserstoffstrategie

  • Einen Heimatmarkt für Wasserstofftechnologien in Deutschland entwickeln, Importen den Weg bereiten
  • Wasserstoff als Grundstoff für die Industrie nachhaltig machen
  • Transport- und Verteilinfrastruktur weiterentwickeln
  • Wissenschaft fördern, Fachkräfte ausbilden
  • Deutsche Wirtschaft stärken und weltweite Marktchancen für deutsche Unternehmen sichern

Selbstverständlich ist die Wasserstoffstrategie durch entsprechende Förderprogramme unterfüttert. Das ist auch nötig, denn in Bezug auf die angestrebte Wasserstoffwirtschaft sind noch viele Fragen offen. An vielen Punkten besteht noch enormer Forschungs- und Entwicklungsbedarf, z.B. bei der Wasserelektrolyse im Industriemaßstab, bei sicheren Transportlösungen oder der Systemintegration von Wasserstofftechnologien.

Förderprogramme, die die Kosten entsprechender FuE-Projekte abfedern können, sind der Ideenwettbewerb Grüner Wasserstoff oder das Energieforschungsprogramm. Aber auch Standardprogramme wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand oder selbst die Forschungszulage sind für Wasserstoffprojekte geeignet.

Teilweise lässt es der Technologiereifegrad aber auch schon zu, Wasserstofftechnologien hochzuskalieren und/oder in einer realen Umgebung zu erproben. Zum Beispiel, um das Zusammenspiel von Erzeugung, Transport und Lagerung sowie Anwendung in Industrie, Verkehr usw. zu testen und zu optimieren.

Solche Pilotprojekte oder Demonstrationsvorhaben erreichen schnell Zeit- und Kostendimensionen, die ohne staatliche Förderung nicht gestemmt werden können. Die steht in Form von Förderprogrammen der EU und des Bundes aber auch zur Verfügung und kann teilweise sofort beantragt werden.

Zu nennen sind hier unter anderem der

Beispiele für solche Demonstrationsvorhaben sind die Projekte Reallabore H2-Wyhlen und Westküste 100, die als Reallabore der Energiewende gefördert werden (externe Links).

Strom soll die Industrie dekarbonisieren

dekarbonisierung mit strom aus erneuerbaren quellen

Neben Wasserstoff soll Strom aus erneuerbaren Quellen fossile Energieträger in der Industrie ersetzen. Natürlich treibt Strom schon heute den Maschinenpark in Industrie und Handwerk an. Viele Branchen sind aber auch auf Prozesswärme angewiesen, zum Beispiel die Metall-, die Chemie-, die Glas-/Keramik-, die Papier- und die Foodindustrie. Dabei ist zu beachten, dass die genannten Branchen Prozesswärme in unterschiedlichen Temperaturbereichen brauchen.

Laut Umweltbundesamt hat Prozesswärme mit über 60% den größten Anteil am Endenergieverbrauch in der Industrie (Quelle). Das Problem für den Klimaschutz ist dabei, dass die benötigte Prozesswärme noch überwiegend mit Erdgas und Erdöl, teilweise sogar noch mit Kohle, erzeugt wird.

Die Erzeugung von Prozesswärme von fossilen Energieträgern auf Strom umzustellen, ist allerdings einfacher gesagt als getan. Zum einen sind noch nicht alle technischen Probleme bei der strombasierten Wärmeerzeugung für die jeweiligen Produktionsprozesse geklärt und zum anderen steht auch (noch) nicht genug Grünstrom zur Verfügung, um den Bedarf der Industrie zu decken.

Das Bundesumweltministerium ist sich den vielen offenen Fragen bewusst und richtet sich deshalb mit dem Förderprogramm Dekarbonisierung in der Industrie gezielt an die energieintensiven Branchen, die vom Anwendungsbereich des EU-Emissionshandels erfasst sind.

Das Programm setzt an mehreren Stellen des Lebenszyklus einer Dekarbonisierungstechnologie an. Gefördert werden sowohl

  • Forschung und Entwicklung als auch
  • Versuchs- bzw. Pilotanlagen und sogar
  • Investitionen in Anlagen im industriellen Maßstab.

Dadurch kann ein Projekt im Zuge seiner Technologiereifung unter Umständen mehrmals über das Dekarbonisierungsprogramm gefördert werden.

Vom Grundsatz her ist das Programm technologieoffen. Das heißt, dass allgemein Projekte gefördert werden können, die das Ziel haben, prozessbedingte Treibhausgasemissionen, die nach heutigem Stand der Technik nicht oder nur schwer vermeidbar sind, möglichst weitgehend und dauerhaft zu reduzieren. Der Schwerpunkt des Programms liegt aber eindeutig auf (grün)strombasierten Verfahren.

Projekte zur CO2-Speicherung (Carbon Capture and Storage CCS) sowie zur CO2-Abscheidung mit dem Ziel der CO2-Speicherung sind übrigens von der Förderung ausgeschlossen, obwohl diese Technologie zum Beispiel in der Studie Klimaneutrales Deutschland 2045 (externer Link) als wichtiger Baustein zur Erreichung der Klimaneutralität gesehen wird.

Energieeffizienz bleibt auch bei erneuerbaren Energien ein Thema

Ein wichtiger Beitrag zur Erreichung der Klimaneutralität sind Maßnahmen, die die Energieeffizienz von Prozessen in Industrie und Gewerbe steigern. Das verwundert vielleicht den einen oder anderen. Warum sollte man in Zukunft Energie einsparen, wenn dieser doch grün erzeugt wird, also bei der Erzeugung kein CO2 entsteht?

Zum Beispiel, weil es offen ist, ob der Ausbau der Erzeugungskapazitäten für grünen Strom mit dem wachsenden Bedarf der sich transformierenden Industrie mithalten kann. Jedenfalls hat das BMWi jetzt eingeräumt, dass der deutsche Strombedarf (externer Link) bis zum Jahr 2030 deutlich stärker steigen wird, als bisher angenommen. Wer Energie respektive Strom spart, flankiert mit seinen Maßnahmen also die Energiewende hin zu einem klimaneutralen Deutschland. Und nicht zu vergessen: Auch Grünstrom muss teuer bezahlt werden.

Breites Förderangebot für Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz

Das Förderangebot in Sachen Energieeffizienz ist sehr gut. Der Bund hat Programme aufgelegt, über die Zuschüsse für die Anschaffung effizienter Maschinen und Anlagen oder die energetische Modernisierung der Produktion beantragt werden können. Auch die Nutzung von Abwärme wird gefördert.

Die Maschinen und Anlagen müssen effizient sein, aber nicht innovativ. Um die Förderung zu bekommen reicht es, in den Stand der Technik zu investieren (off-the-shelf).

Schnell und unkompliziert wird die Anschaffung effizienter Querschnittstechnologien gefördert, zum Beispiel einzelner E-Motoren oder Drucklufterzeugern. Auf Basis eines Energie-Einsparkonzeptes können aber auch große und komplexe Vorhaben gefördert werden. Und zwar mit Zuschüssen in Millionenhöhe. Weitere Informationen zu den gängigsten Förderprogrammen finden Sie auf unserer Fokusseite Energieeffizienz.

Klimaschutz im Gebäudesektor

Bundesförderung für effizienten Nicht-Wohngebäude

Unternehmen können nicht nur ihre Produktionsprozesse effizienter machen. Die Betriebs- und Verwaltungsgebäude sind ein weiterer Ansatzpunkt, massiv Energie einzusparen und damit zum Klimaschutz beizutragen. Laut Umweltbundesamt verursacht der Gebäudebestand in Deutschland etwa 35% des Endenergieverbrauchs und etwa 30% der CO2-Emissionen (Quelle, externer Link). Und vom BDI kommt eine genauere Einschätzung in Bezug auf Nicht-Wohngebäude: „Obwohl der Anteil der Nichtwohngebäude am gesamten deutschen Gebäudebestand bei knapp 10% liegt, entfällt auf Nichtwohngebäude mehr als ein Drittel des Energiebedarfs des gesamten Gebäudesektors.“ (Quelle, externer Link)

Gleichzeitig sieht der BDI bei Nicht-Wohngebäuden erhebliche Potenziale zur Energieeffizienzsteigerung: In der Gebäudetechnik, im Anlagenbetrieb, in der Dämmung von Anlagen und Gebäudehülle usw. (ebenda).

Der Bund fördert den Neubau effizienter Gebäude sowie auch die energetische Sanierung von Gebäuden schon seit langem. Die Förderkulisse ist hier allerdings recht zersplittert und verworren gewesen.

Mit der Bundesförderung für effiziente Gebäude BEG hat der Bund sein diesbezügliches Förderangebot jetzt aber deutlich aufgeräumt und verbessert. Das BEG bedient vier Förderthemen:

  • Neubau
  • Sanierung
  • Wohngebäude
  • Nicht-Wohngebäude

Projektträger sind ausschließlich das BAFA und die KfW. Förderanträge müssen nur bei diesen beiden Institutionen gestellt werden. Dabei ist wichtig zu erwähnen, dass es von KfW in diesem Falle nicht nur Förderkredite gibt, sondern auch (Tilgungs)Zuschüsse.

Über den KfW-Arm des BEG werden Neubau- und Sanierungsprojekte gefördert, soweit sie einen definierten Effizienzstandard erreichen. Eine neue Industriehalle nach diesem Standard auszuführen, ist sicher ambitioniert. Aber es gibt die ersten Beispiele für solche effizienten Bauten und die KfW-Förderung kann die effizienzbezogenen Mehrkosten abmildern und damit vielleicht den Ausschlag für die Wahl einer klimaschonenden Bauweise geben.

Über den BAFA-Arm werden dagegen Einzelmaßnahmen im Bestand gefördert. Seit langem auch endlich wieder der Einbau energieeffizienter Beleuchtungssysteme. Und außerdem auch:

Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle

  • Dämmung der Gebäudehülle sowie Erneuerung/Aufbereitung von Vorhangfassaden
  • Austausch von Fenstern, Außentüren und -toren
  • Sommerlicher Wärmeschutz

Anlagentechnik (außer Heizung)

  • Einbau, Austausch oder Optimierung raumlufttechnischer Anlagen inklusive Wärme-/ Kälterückgewinnung
  • Einbau von Mess-, Steuer- und Regelungstechnik zur Gebäudeautomatisierung
  • Kältetechnik zur Raumkühlung

Anlagen zur Wärmeerzeugung (Heizungstechnik)

  • Gas-Brennwertheizung (Renewable Ready)
  • Solarkollektoranlagen
  • Wärmepumpen
  • usw.

Heizungsoptimierung

  • Hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage
  • Austausch von Heizungspumpen
  • die Dämmung von Rohrleitungen
  • usw.

Unser Fazit zum Förderziel Klimaneutralität

Deutschland soll bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden. Die deutschen Unternehmen werden zu diesem Ziel beitragen müssen. Viele Firmen haben sich aber schon jetzt freiwillig auf den Weg gemacht und reduzieren ihren CO2-Footprint.

Ob mehr oder weniger freiwillig, unsere Übersicht zeigt, dass Unternehmen auf viele Förderprogramme der EU und des Bundes zurückgreifen können, wenn Sie Geld für den Klimaschutz in die Hand nehmen.

Haben Sie weitere Fragen oder wollen Sie eine der hier gestellten Förderungen beantragen? Dann sprechen Sie unsere Expertinnen und Experten für Energieeffizienz, Klimaschutz und Dekarbonisierung an.

Demnächst: Circular Bioeconomy und Klimaschutz

Folgen Sie uns auf Linkedin (externer Link)!