Neue Begriffe in Horizon Europe Folge 6

Jede neue politische Strategie bringt neue Wortschöpfungen hervor oder gibt bereits existierenden Worten zusätzliche Bedeutungen. So ist es auch mit dem Brüsseler Vokabular. Das spezielle EU-Sprech wird auch die kommende Förderperiode wieder prägen. Wer bereits einen Blick in die neuen Arbeitsprogramme für Calls unter Horizon Europe werfen konnte, hatte vermutlich einige Fragezeichen im Kopf, anhand von Begriffen wie destinationsoutcomesSocietal Readiness LevelKey Impact Pathways oder rebuttal. Ihre EU-Experten von PNO werden in loser Folge einige dieser neuen Begriffe erklären.

Horizon Europe. Neues Programm – neue Begriffe.

Folge 6: Lump sum funding

Pauschalbeträge lump sums werden ja meistens eingeführt, wenn eine Vereinfachung erzielt werden soll. In Bezug auf Förderung kann das ein vorher festgesetzter absoluter Betrag sein, der ausgeschrieben wird, oder eine nach bestimmten Kriterien ermittelte Summe, die der Antragsteller selbst benennt. In den letzten Jahren hat auch die EU-Kommission in verschiedenen Förderinstrumenten bereits mit lump sum fundings experimentiert. In Horizon Europe sollte diese Methode verstärkt eingesetzt werden, jedoch wurde noch keine generelle Änderung vollzogen. Es wird also auf absehbare Zeit noch unterschiedliche Methoden zur Kostenerstattung je Programmlinie oder Call geben.

Mit der Pauschalbetragsförderung kann einerseits der administrative Aufwand und die immer wieder kritisierte hohe Fehleranfälligkeit bei der finanziellen Berichterstattung reduziert werden. Andererseits möchte der Fördergeber auf diese Weise der Erfüllung von inhaltlichen (technischen) Projektzielen mehr Gewicht verleihen, da die Auszahlung von Fördermitteln an die Erfüllung bestimmter Meilensteine bzw. den Abschluss von Arbeitspaketen geknüpft ist. Im Grant Agreement werden daher neben dem Gesamtbetrag auch die Anteile am Pauschalbetrag pro Arbeitspaket und pro Partner (eines Konsortiums) festgelegt sowie ein Haftungsbetrag. Jede Verschiebung erfordert dann ein offizielles Amendment (Änderung des Grant Agreements). Für den Fördermittelempfänger entfällt die Pflicht, einzelne Kostennachweise wie z.B. Stundenzettel, Lohnabrechnungen, Abschreibungsrichtlinien oder Rechnungen vorzulegen, und damit entfallen auch finanzielle Audits. Im Gegenzug muss bei etwaigen Kontrollen die ordnungsgemäße Durchführung des Projektes anhand von technischen Dokumenten, Veröffentlichungen, Prototypen etc. nachgewiesen werden. Eine unvollständige Durchführung der ursprünglich geplanten Arbeiten reicht grundsätzlich nicht für eine Zahlung aus.

Was in der Abrechnung bzw. Dokumentation als Vereinfachung erscheint, bedeutet für die Kalkulation des Projektbudgets nicht unbedingt das gleiche. Die Kostenschätzung muss nämlich möglichst genau sein, und nur die vorab berechnete Pauschale wird nach Abschluss des Arbeitspaketes ausgezahlt. Damit ergeben sich ebenfalls neue Anforderungen an die Planung von begleitenden oder übergeordneten Maßnahmen (Management, Dissemination etc.), welche nicht kontinuierlich abgerechnet werden können. Das Weiteren muss abgewogen werden, welche Partner tatsächlich in welchem Arbeitspaket mitwirken, da auch nicht ausgezahlt wird, wenn nur ein Partner seinen Aufgaben nicht oder nicht rechtzeitig nachgekommen ist. Alles in allem kann diese Art der Budgetierung große Herausforderungen beinhalten und erfordert eine sehr gute Vorab-Planung.

Nächste Folge: Rebuttal

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Quelle Bild: Pixabay

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