Neue Begriffe in Horizon Europe Folge 7

Jede neue politische Strategie bringt neue Wortschöpfungen hervor oder gibt bereits existierenden Worten zusätzliche Bedeutungen. So ist es auch mit dem Brüsseler Vokabular. Das spezielle EU-Sprech wird auch die kommende Förderperiode wieder prägen. Wer bereits einen Blick in die neuen Arbeitsprogramme für Calls unter Horizon Europe werfen konnte, hatte vermutlich einige Fragezeichen im Kopf, anhand von Begriffen wie destinationsoutcomesSocietal Readiness LevelKey Impact Pathways oder rebuttal. Ihre EU-Experten von PNO werden in loser Folge einige dieser neuen Begriffe erklären.

Horizon Europe. Neues Programm – neue Begriffe.

Folge 7: Rebuttal – das Recht auf Reaktion (Widerlegung)

Die Bewertung eingereichter Förderanträge erfolgt meist durch eine Gruppe ausgewählter Sachverständiger, welche zunächst eine individuelle Einschätzung geben und sich dann auf ein Ergebnis einigen müssen. Die Evaluierungsberichte (Evaluation Summary Reports, ESR), welche die Antragsteller nach Abschluss des Verfahrens erhalten, enthalten eine Bewertung nach Punkten und stark formalisierte Satzbausteine. Oftmals entscheidet ein Zehntelpunkt über die Auswahl. Abgelehnte Antragsteller, welche nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen, können aus dem Bewertungstext jedoch nur wenige konkrete Ansatzpunkte herauslesen.

Bisher fehlt eine inhaltliche Widerspruchs- bzw. Interaktionsmöglichkeit, außer im Falle offensichtlicher formaler Fehler im Beurteilungsprozess. So können beispielsweise mögliche Missverständnisse oder gar Rückfragen, welche die Evaluatoren vielleicht hätten, gar nicht geklärt werden. Offensichtliche Mängel oder Verzerrungsrisiken (Bias) in diesem Beurteilungssystem, wie die immer wieder vorkommende Bevorzugung von namhaften Institutionen gegenüber Newcomern oder die Häufung von bewilligten Projekten in bestimmten EU-Regionen, werden daher immer wieder kritisch thematisiert.

Mit einem Pilotprojekt und Reformen in einzelnen Unterprogrammen soll nun eine solche Interaktion zwischen Experten und Bewerbern ermöglicht werden. So wurden in den Programmen des EIC Interviews eingeführt und in einzelnen vergangenen Ausschreibungen auch Anhörungen, z.B. zwischen der ersten und zweiten Antragsstufe, organisiert. In einem Pilotprojekt zum rebuttal, geplant noch in 2021, sollen testweise einzelne Evaluierungsberichte im Bewerberportal zugänglich gemacht werden, damit die Antragsteller dann innerhalb einer bestimmten Frist reagieren können, bevor die Evaluatoren eine abschließende bzw. die gemeinsame Stellungnahme verfassen. So sollen die Transparenz der Bewertungen erhöht, sachliche Missverständnisse ausgeräumt und ein detaillierteres Feedback an die Antragsteller gegeben werden. Diese sollten wiederum sorgfältig und sachlich auf die konkreten Fragen eingehen. Hier kann es helfen, eine zweite Meinung zum Verständnis der Fragen und zur Formulierung der Antworten einzuholen.

Ob die Umsetzung des rebuttal über das Pilotprojekt hinaus in Zukunft in weiteren Bereichen von Horizon Europe vorangetrieben wird, ist derzeit noch nicht klar.

Nächste Folge: Das DNSH-Prinzip

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Quelle Bild: Pixabay

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