Neue Begriffe in Horizon Europe Folge 9

Jede neue politische Strategie bringt neue Wortschöpfungen hervor oder gibt bereits existierenden Worten zusätzliche Bedeutungen. So ist es auch mit dem Brüsseler Vokabular. Das spezielle EU-Sprech wird auch die kommende Förderperiode wieder prägen. Wer bereits einen Blick in die neuen Arbeitsprogramme für Calls unter Horizon Europe werfen konnte, hatte vermutlich einige Fragezeichen im Kopf, anhand von Begriffen wie destinations, outcomes, Societal Readiness Level, Key Impact Pathways oder DNSH. Ihre EU-Experten von PNO werden in loser Folge einige dieser neuen Begriffe erklären.

Horizon Europe. Neues Programm – neue Begriffe.

Gender equality in Horizon Europe

Die Gleichheit der Geschlechter ist ein übergreifendes (cross-cutting) Prinzip im gesamten Förderwerk der EU. Drei große Ziele sind gesetzt:

  1. Geschlechtergerechtigkeit in wissenschaftlichen Karriereverläufen
  2. Gleichgewicht der Geschlechter in Entscheidungspositionen und -gremien
  3. Integration der Geschlechterfrage in Forschungsfragen und Innovationsentwicklungen.

Zur Erreichung der Ziele wurden verschiedene Mechanismen geschaffen – dies betrifft die Antragstellung ebenso wie die Umsetzung von geförderten Projekten.

Mit der Veröffentlichung der Calls schien für manch einen die wichtigste Neuerung zu sein, dass in den Formularen zur Antragstellung bei der Geschlechtsangabe von Personen jetzt auch nicht binär gewählt werden kann. Für andere die Teilnahmebedingung (eligibility criterion), dass jetzt verpflichtend Gender Equality Plans nachgewiesen werden müssen – allerdings gilt dies nur für öffentliche Forschungseinrichtungen und für Calls ab 2022. Wichtiger ist aber beispielsweise, dass ein 50/50-Prinzip in Entscheidungsgremien nicht nur durch die Kommission selbst umgesetzt werden soll, sondern auch für die Antragsteller empfohlen wird und im Ranking von punktgleich bewerteten Anträgen eine Rolle spielen wird.

Im Antragstext soll im Umfang von ca. 1 Seite auf Gender-Aspekte eingegangen werden, außer, dies ist im Call-Text explizit als non-mandatory gekennzeichnet. Und dann soll im Text auch nicht die bloße Verteilung der Geschlechter im Konsortium beleuchtet werden, sondern Genderfragen im Forschungsgegenstand und der jeweiligen Methodik. Dies bedeutet, dass überlegt werden soll,

  • ob in der Themensetzung,
  • bei der Datenanalyse,
  • in geplanten Projektaktivitäten
  • etc.

möglicherweise durch Gewohnheiten, Strukturen oder andere Voraussetzungen bestimmte (ungleiche) Geschlechterprägungen vorhanden sind oder sein könnten.

Wenn dazu noch keine Antworten oder Informationen vorliegen, könnte dies ja auch zu Beginn und im weiteren Verlauf des Projektes im Konsortium diskutiert oder untersucht werden, z.B. in Form eines Workshops. Sollten Antragsteller dennoch Gender in ihrem Projekt gar nicht betrachten wollen, müssen sie nicht nur eine aussagekräftige Begründung dafür liefern, sondern diese wird nur auf Basis entsprechender Literaturquellen akzeptiert werden.

Nächste Folge – Cluster

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